Plastikfrei, “unten ohne“ und… Gutes tun!

Rainer Graf geht den Meraner Höhenweg. Barfuß! Mit dieser Aktion unterstützt er den Kinderhospiz St. Nikolaus in Bad Grönenbach. Hier erzählt er uns von seiner Motivation:

“Meine Einstellung ist, dass bei gelebter Tradition ein plastikreduziertes und nachhaltiges Leben automatisch inbegriffen ist. Es ist ein kleinwenig anstrengender. Sorgt aber dafür dass uns ein bewusster, nachhaltiger und ruhiger Lebensstil zu Eigen wird.

Der Augsburger Plastikfrei-Stammtisch zeigt ebenfalls, dass ein Umdenken stattfindet. Und es gibt immer mehr Menschen die verstehen, dass manches Früher tatsächlich „besser“ war. Mit Früher meine ich nicht anno Schießmichtot, sondern irgendwo vor den 1960er Jahren. Bevor wir hier zu Lande das Augenmaß für „Wann habe ich eigentlich genug“ komplett verloren haben.

Nachhaltig leben sollten wir alle wieder lernen. Für UNS. Für unsere Kinder. Soviel sollten wir uns Wert sein! Die Industrie tut alles, um uns das Leben so leicht wie möglich zu machen. Dabei vergessen wir was es heißt „zu leben“. Wir vergessen die Nachhaltigkeit, wir vergessen unsere regelmäßige Bewegung und wir vergessen die Tatsache, dass z.B. Erdbeeren im Winter eigentlich „abartig“ sind!!! Und vieles mehr.

Wandern und Bergsteigen bleiben davor ebenfalls nicht verschont. Plastik soweit das Auge reicht. Früher im Berg zu Tode gekommen, wurde alles wieder zu Erde, auch das G`wand. Heute, wenn sie dich nicht finden, bleibt der Plastikkram übrig. Dabei könnte heute jeder ohne Probleme plastikreduziert und traditionell in die Berge gehen, wenn nicht gerade eine Extremtour ansteht. Dann aber befindet man sich nicht mehr im Mainstream sondern, dank Werbung und Industrie, im Verteidigungsmodus gegenüber den anderen Mainstreamern.

Obwohl alle in den Bergen das gleiche suchen: zurück zur Natur und alten Werten?!? Nur bitte ohne im „Mainstream“ aufzufallen, und diesen bestimmt wieder die Industrie!

Doch 2-3 echte Krachlederne, die immer wieder repariert werden können und die max. 2x im Jahr gewaschen werden, würden reichen um durchs Leben zu kommen. Und jeder weiß, je älter desto schöner und uriger werden diese Hosen. Kunststoff- sowie Stoffhosen dagegen sind für „viele“ Aktivitäten zu gebrauchen – doch eine echte Hirschlederne für „ALLE“!
Die „echte“ Hirschlederne, bis in die 1960er Jahre noch gerne getragen, gibt es heute kaum noch zu sehen. Vielmehr ist sie verkommen zu einem aus Billigleder hergestellten und auf Volksfeste reduzierten Wegwerfartikel, bei dem jedes Tier umsonst gestorben ist.

Jetzt weiter zum Thema „unten ohne und Gutes tun“.
Lange habe ich überlegt was das Universum mit meiner Lebenseinstellung bezwecken möchte. So genau weiß ich es immer noch nicht. Außer dass es mir den Weg zum Kinderhospiz St. Nikolaus in Bad Grönenbach aufgezeigt hat. Aber was fange ich nun damit an???

Klar ist mir nur, dass dieser Weg richtig und wichtig ist. Dies zeigen mir unter anderem die vielen positiven Zusprüche von Menschen die dieses Thema ebenfalls berührt. Menschen die spenden sowie die, die mich auf dem Weg begleiten möchten machen mir klar: „Wenn du eine Türe öffnest, dann nie für dich alleine – sondern für ALLE die dir folgen!“

All diese Gedanken waren nun der Auslöser für „Barfuß für das Kinderhospiz St. Niklaus in Bad Grönenbach“. Natürlich nicht Barfuß im Wohnzimmer im Kreis gehen, sondern den Meraner Höhenweg. Um damit auf das Kinderhospiz und die allgemeine Kinderhospizarbeit aufmerksam zu machen.

So entstand im Februar 2019 das Projekt „BarfußHerz“ und der Plan diesen Höhenweg mit seinen 91 km Länge und mehreren Tausend zu gehenden Höhenmetern „Barfuß“ zu gehen. Barfuß, weil ich darauf aufmerksam machen möchte, dass Familien im Kinderhospiz auch keine Möglichkeit haben zwischen sich und ihr Schicksal eine schützenden Gummisohle zu legen. Um mit dieser Aktion dieses Kinderhospiz voller Leben, Kinderlachen und guter Menschen zu unterstützen. Durch mediale Aufmerksamkeit und gesammelte Spenden. Das negative Image, das die Menschen bei dem Wort „Hospiz“ verbinden, wieder etwas aufpäppeln. Zumal im Falle von St. Nikolaus das Wort „Hospiz“ wirklich dass aussagt was es seit dem Mittelalter eigentlich ist, eine „Herberge“! Als ich mich dann intensiv mit St. Nikolaus beschäftigte, wurde mir auch klar: Mitarbeiter/innen dieses Kinderhospiz werden nicht einfach nur ausgebildet – sie werden vielmehr „geboren“!

Und genau deshalb war es ein guter Plan! Meine Frau fand die Idee ebenfalls super und unterstützt das Projekt nach Kräften. Nur über die Risiken wie meine Fuß-Gesundheit, darüber habe ich erst sehr spät nachgedacht. Egal! Nun bin ich von Haus aus ein „lauter Mensch“, nicht so durch meine Stimme, eher durch die gesamte Erscheinung. Ich weiß, das klingt ganz schön „prollig“. Ich dachte mir, die Kombi „lauter Mensch – Barfuß – Kinderhospiz“ könnte funktionieren.

Durch dieses, im übertragenen Sinn, laute Auftreten ergeben sich ebenfalls immer wieder interessante Gespräche, die mir zeigen, dass es viele Menschen gibt, die diese Plastikflut ebenfalls hassen. Die “barfuß gehen” als schöne Erinnerung haben und das Kinderhospiz für eine super Sache halten – wenn auch ein wenig Traurigkeit mitschwingt.

Aus diesem Grund nehme ich es „leicht“ und versuche Barfuß den Meraner Höhenweg zu gehen, immer mit dem Vorsatz, möglichst viel über St. Nikolaus zu berichten. Und da gibt es allerlei GUTES!

Deshalb folgt mir bitte auf Instagram unter @barfussherz_de – #barefootheart_de und auf www.barfussherz.de

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit
Rainer Graf

P.S.: Vor kurzem unterhielt ich mich bei Kolping mit einem jungen Marokkaner über Barfuß gehen. Er fing erst an Schuhe zu tragen und viel Plastik zu verbrauchen als er in Deutschland ankam und meinte: „Hier geht niemand Barfuß, in Marokko war das ganz normal“.
In seinem Gesicht spiegelte sich die Sehnsucht nach dieser gewissen Freiheit.”

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