Mikroplastik: Die unsichtbare Gefahr

Plastik hat viele Namen und viele Gesichter und ruft ebenso viele Probleme in der Umwelt hervor. Doch mit am gefährlichsten ist Plastik dann, wenn man es nicht sehen kann, nämlich in Form von Mikroplastik.

Aber fangen wir nochmal ganz von vorn an. Kunststoffe werden in den unterschiedlichsten Sorten hergestellt. Die Verpackungsmittelindustrie, das Bauwesen und die Elektronik bzw. Elektrotechnik sind die drei Hauptverursacher von Plastik. Aber auch in Kosmetika und in vielen konventionellen Reinigungsmitteln sind oft kleine Kunststoffpartikel oder flüssiger Kunststoff enthalten. Und auch Kunstfasern aus Textilien, Reifenabrieb sowie viele weitere Quellen sind dafür verantwortlich, dass sich mittlerweile unvorstellbare Mengen an Plastik in der Umwelt verteilt haben. Die Schäden, die dadurch in den Ökosystemen rund um den Globus angerichtet werden, sind immens. Heute wollen wir uns dem Plastik widmen, das kaum sichtbar und deshalb besonders problematisch ist: Mikroplastik.

Wie entsteht Mikroplastik?

Das Problem an all diesem Plastik ist, dass es hunderte von Jahren dauert, bis es in der Umwelt abgebaut werden kann. Wobei „abbauen“ der falsche Ausdruck ist, denn Plastik verschwindet nicht, es wird nur immer kleiner. Die UV-Strahlung der Sonne, Hitze, Kälte und mechanische Einwirkung sorgen dafür, dass aus großen Plastikteilen winzig kleine Krümel werden. Ist ein Teil kleiner als 5 Millimeter spricht man von Mikroplastik. Primäres Mikroplastik nennt man die Partikel, die sich in Kosmetika und Reinigungsmitteln befinden, und schon als Mikroplastik hergestellt werden. Von sekundärem Mikroplastik spricht man, wenn große Plastikteile, auch Makroplastik genannt, durch mechanischen, biologischen oder chemischen Zerfall zu Kleinstteilen zersetzt werden. Das Umweltbundesamt schätzt, dass Kunststoffabfälle den Hauptanteil von Mikroplastik ausmachen, und zwar zwischen 50.000 und 100.000 Tonnen pro Jahr.

Was passiert, wenn Plastik in die Umwelt gelangt?

Mikroplastik findet sich mittlerweile fast überall in der Umwelt. Vor allem aber ist das Meer betroffen, denn über große Flüsse gelangt tonnenweise Plastik in die großen Ozeane. Besonders in den Ländern, die kein Müllsystem, geschweige denn Recycling haben, sind Flüsse beliebte Entsorgungsstätten für alles, was man gerne loswerden möchte, leider auch für die Industrie. Man schätzt, dass der Großteil des marinen Plastiks weltweit über die drei größten asiatischen Flüsse in die Gewässer gelangt. Fünf riesengroße Müllstrudel gibt es deshalb bereits in den Weltmeeren. Sie befinden sich alle in Äquatornähe, weil dort die Meeresströmungen aus nördlicher und südlicher Erdhalbkugel aufeinandertreffen. Der Nordpazifischer Müllstrudel, oder Great Pacific Garbage Patch befindet sich im Nordpazifischen Strömungskreis. Mit einer geschätzten Größe von 700.000 bis mehr als 15.000.000 Quadratmetern ist er der größte bekannte Müllstrudel weltweit. Auf einer Fläche, die unter Umständen bereits größer ist als Europa treiben hier Plastikteile jeder Art im Wasser: Plastikflaschen, Reste von Fischernetzten, Coffee-To-Go-Becher und und und. Über Meeresströmungen gelangt das Plastik praktisch überall hin. Im Januar 1992 havarierte ein Frachtschiff im Nordpazifik. Dabei gingen zwölf Container über Bord von denen sich einer öffnete und 29.000 Bade Enten verlor. Im Lauf der Jahre reisten diese mit den Strömungen rund um den Globus. Sie durchquerten die Beringstraße, trieben nördlich von Grönland entlang, vorbei an Schottland über die USA und wieder zurück nach England und Irland.

Mikroplastik ist überall

Das zeigt, was für weite Wege Plastik in der Umwelt zurücklegen kann. Auch in Deutschland ist das Problem längst angekommen. Dabei ist aber nicht nur unser Meer betroffen, auch in Binnengewässern wurde Mikroplastik längst nachgewiesen und sogar unsere Ackerböden sind inzwischen von Plastikpartikeln durchsetzt. Der Grund: unter einer gewissen Größe lassen sich die Teilchen nicht mehr filtern, etwa von Kläranlagen. Neben dem Plastik aus der Industrie sind vor allem Textilfasern, Mikroplastik aus Kosmetika und falsch recycelte Kunststoffe, beispielsweise mit Plastikverpackung in der braunen Tonne entsorgte Biogurken, für „deutsches Mikroplastik“ verantwortlich. Das größte Problem ist, dass Plastik umso mobiler wird, je kleiner es ist. Deshalb hat es sich bereits rund um den Globus verteilt.

Was ist so problematisch an Mikroplastik?

Leider sind die kleinen Plastikkrümel alles andere als ungefährlich. Gut bekannt sind Bilder von Seevögeln oder Meerestieren, die sich in Fischernetzen oder Plastikverpackungen verfangen haben und dadurch einen qualvollen Tod sterben. Auch gestrandete Wale mit einer ganzen Plastikmüllhalde im Magen haben in den Medien schon die Runde gemacht. Doch Mikroplastik richtet Schäden an, die weniger gut sichtbar sind, weil sich alles im Kleinen abspielt. Man spricht hier von Bioakkumulation, also dem Phänomen, dass sich Plastik in der Umwelt ansammelt und in der Nahrungskette anreichert. Angefangen von Kleinstlebewesen wie Plankton oder Krill, über Muscheln, Krebse, Fische und Vögel wandern die Partikel in der Nahrungskette immer weiter nach oben und landen irgendwann auf unseren Tellern. Mikroplastik kann dabei auf vielfache Weise Schaden anrichten. Zunächst einmal können besonders die kleineren Tiere und Organismen Mikroplastik mit Nahrung verwechseln. Plastik kann jedoch nicht verdaut werden. Die Tiere verhungern, weil sie vermeintlich satt sind und keine Nahrung mehr aufnehmen. Scharfkantige Partikel können aber Mikroverletzungen und Organschäden hervorrufen, die für viele Lebewesen tödlich enden. Dazu kommt noch, dass Plastik sogenannte persistente organische Schadstoffe, auch langlebige organische Schadstoffe oder POPs genannt, anreichern kann. Diese gelangen ebenfalls in die Organismen und können dort toxische oder hormonelle Wirkungen hervorrufen. Bei einigen Tierarten hemmt Mikroplastik bereits die Fortpflanzungsrate, wie Studien gezeigt haben. Auch wenn man Mikroplastik meist kaum sehen kann, seine negativen Auswirkungen in der Umwelt sind immens und wir müssen schnellstens handeln, wenn wir die Lawine aufhalten wollen, die wir mit unserer Plastikflut losgetreten haben.

Was kann ich tun?

Das Problem „Mikroplastik“ ist gigantisch. Doch jeder kann seinen Teil dazu beitragen, die Entstehung von immer mehr Mikroplastik zu verhindern:

• Bei Kosmetika und Reinigungsmitteln darauf achten, dass kein Mikroplastik enthalten ist. ACHTUNG: Plastik kann auch flüssig sein! Auf dieser Liste von www.greenpeace.de kannst Du lesen, hinter welchen Inhaltsstoffen sich Mikroplastik verbirgt:

Quelle: www.greenpeace.de/einkaufshelfer-mikroplastik

• Textilien aus Naturfaser statt aus Kunstfaser kaufen. Was Du beim Kleidungskauf noch so alles beachten kannst, findest Du in unserem Artikel „10 Tipps zum Kleidungskauf

• Verpackungsarm oder noch besser ganz ohne Verpackungen einkaufen. Nützliche Tipps dazu findest Du hier unter Einkaufen

• Wenn im Haushalt doch Kunststoffe anfallen: natürlich in der gelben Tonne entsorgen. Besteht eine Verpackung aus mehreren Kunststoffen (wie etwa Joghurtbecher und Deckel) sollten diese voneinander getrennt werden, damit die einzelnen Plastiksorten im Recyclingprozess sortiert werden können.

• Plastik jeder Art vermeiden. Das Forum Plastikfreies Augsburg gibt viele Tipps, wie man im Alltag Plastik durch alternative Rohstoffe ersetzen kann. Auf www.plastikfreies-augsburg.de kannst Du Dich rund um das Thema Plastikverzicht informieren. Oder komm doch einfach zu unserem nächsten Stammtisch, am 8. Mai 2018 um 19:30 im Café Anna. Wir freuen uns auf Dich!

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