Können wir uns Bio-Essen leisten?

Als mein erstes Kind in die Kinderkrippe kam, bekamen die Kinder täglich von den Eltern selbst gekochtes Essen, in Bioqualität und ohne Fleisch. In dieser Elterninitiative war es wichtig, dass die Kinder gesundes und nahrhaftes Essen bekommen. Die Kosten waren zweit Rangig. Anders war es, als wir in den Kindergarten kamen. Da ging es bei der Auswahl des Caterers und des Essens hauptsächlich um die Kosten. Natürlich sollte es auch schmecken aber, so die einhellige Meinung, man kann die Mehrkosten für Bioqualität den Eltern nicht zumuten. Interessant finde ich dabei, dass wir Eltern unseren Kindern teure Quetschis, Mini-Salamis oder Süßigkeiten in die Brotzeitboxen packen und jeden Tag Apfelschorle oder Sprudelwasser aus der Plastikflaschen mitgeben. Dabei ist Obst, ein Butterbrot und Leistungswasser nicht nur gesünder, sondern einfach auch viel günstiger.

In vielen Städten und Gemeinden gibt es bereits Initiativen, den Kinder mehr Bio-Essen anzubieten. In Augsburg soll es ein Anteil von 30 Prozent sein, Nürnberg strebt bis 2020 sogar 75 Prozent an. Doch selbst hier heißt es, dass es wichtiger sei, dass sich die Eltern das leisten können.

Können wir es uns leisten kein Bio-Essen zu kaufen?

Ich möchte die Frage gerne einmal anders herum stellen: Können wir es uns leisten, unser Essen nicht in Bioqualität zu kaufen? Können wir es uns tatsächlich auf lange Sicht leisten, Produkte aus einer Landwirtschaft zu kaufen, die auf Massenproduktion setzt und unsere Böden auslaugt, die Insekten tötet und Lebensräume für Tiere einengt? Wie sollen sich unsere Kinder und Enkel ernähren, wenn wir ihnen eine Natur hinterlassen, die sich nicht selbst regenerieren kann?

Die Lösung, unsere wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, gibt es bereits: Sie heißt ökologische, regionale Landwirtschaft. Denn im natürlichen Kreislauf der Natur liegt bereits eine Menge Potential, das es zu schöpfen gibt. Wer Bio-Essen kauft, unterstützt diesen Kreislauf direkt und sorgt dafür, dass unsere Natur geschützt wird.

Für die Folgeschäden der konventionelle Landwirtschaft kommen wir alle über unsere Steuergelder auf: die Übernutzung der Böden, die Verschmutzung der Gewässer, der Verlust an Artenvielfalt und die Auswirkungen auf das Klima verursachen Schäden in Milliardenhöhe. Diese Folgekosten sind sehr viel höher als der Preis für Bio-Lebensmittel.

Wer Bio kauft unterstützt meist kleinere Betriebe in der Region. Das stärkt den eigenen Standort in den Wirren der Globalisierung. Wer dabei auf der Strecke bleibt? Der Profit der Gen- und Futtermittelkonzerne oder der Fleischindustrie. Wir haben die Wahl, wen wir unterstützen… und ob unsere Kinder uns den kleinen Aufschlag für schadstofffreies Bio-Essen wert sind.

Unterm Strich gebe ich nicht mehr Geld aus

Für meine Einkäufe muss ich nicht mehr Geld ausgeben. Im Gegenteil: durch meinen plastikfreien Lebensstil, kaufe ich viele Dinge nicht mehr, die früher haufenweise in dem Einkaufswagen gelandet sind. Dazu zählen Fertigprodukte und Süßigkeiten. Der Verzicht auf diese Produkte ist kein großer Verlust – weder kulinarisch noch gesundheitlich. Lieber kaufe ich viel frisches Obst und Gemüse in Bioqualität oder aus der Region. Das darf länger reifen und enthält dadurch weniger Wasser, schmeckt intensiver und enthält ein bisschen mehr an sekundären Pflanzenstoffen, Ballaststoffen und Vitaminen. Auch Bio-Milch ist gesünder, weil sie in der Regel mehr Omega-3-Fettsäuren enthält.

Man bekommt also für mehr Geld auch mehr Inhaltsstoffe. So relativiert sich der Preis wieder. Außerdem haben Öko-Bauern meist mehr Arbeit: Sie führen die Tiere auf die Weide und misten den Stall aus. Ergänzungsfutter, Saatgut, natürliche Pflanzenschutzmittel und Zuchttiere in Bioqualität kosten mehr.

Das ist mir der Mehrpreis alle mal wert. Und anstatt der täglichen Ration an gekauften Gummibärchen oder Keksen gibt es halt einmal pro Wochen einen leckeren, selbstgebackenen Kuchen. Da helfen die Kinder auch gleich begeistert mit.

Dieser Text gehört zur Kolumne “Einfach Machen” in der Augsburger Allgemeine

It's only fair to share...Share on Facebook
Facebook
Share on Google+
Google+
Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on LinkedIn
Linkedin