Altpapierberge Adé!

Lange habe ich mich über die vielen Prospekte im Briefkasten geärgert. Dabei gibt es eine einfache Lösung.

Bewusster leben? Da gibt es so viele Themen, wo man ansetzen könnte. Manche Schritte sind leicht, andere schwerer. 100 Prozent gibt es wohl nicht. Aber es sind die Kleinigkeiten, die sich groß auswirken. Es geht darum, sich Schritt für Schritt auf den Weg zu machen. Einfach mal anfangen. Einfach machen. Auf Dinge und Handlungen bewusst zu achten, Alternativen zu finden. Doch wo beginnen?

Eine meiner ersten bewussten Aktion war vor etwa 15 Jahren. Wie jeden Morgen ging ich zum Briefkasten. Beim Öffnen fielen zig Wurfsendungen heraus: von Supermärkten, Möbelhäusern, Pizzalieferdienst… Wer kennt das nicht? Ich packte also das Bündel, ging wie üblich schnurstracks zum Altpapierkorb und schmiss es ungesehen weg. „Irre“, dachte ich mir – „und am Wochenende packe ich dann das ganze Zeug ins Auto und kutschiere die für mich eher uninteressanten und ärgerlichen Prospekte zum Gemeinde-Wertstoffhof.“

33 Kilogramm Papier landen jedes Jahr in jedem deutschen Briefkasten

Die Auslieferung und mein Abtransport des Altpapiers sind ja nur ein Bestandteil der gesamten Kette. Die zumeist noch aus farbigem Hochglanzpapier bestehenden Flyer und Prospekte müssen ja auch produziert werden. Ein Blick in die Statistiken zeigt: Jedes Jahr landen 33 Kilogramm Papier per Wurfsendung in jedem deutschen Briefkasten. Ressourcen: 2,7 Millionen Bäume, 1157 Millionen Kilowattstunden Strom, 455400 Tonnen CO2, 4,62 Milliarden Liter Wasser, Holz, Altpapierfasern, Leim, Farbstoffe, Flockungsmittel, Imprägnierstoffe wie Wachse und Paraffine. Und noch einiges mehr. Für Werbung, die ich gar nicht haben will? Das wird geändert, war der feste Entschluss!

Bitte keine Werbung

Ich besorgte mir einen Briefkastenaufkleber mit der Aufschrift „Bitte keine Werbung“. Draufgeklebt und es war Ruhe! Seither haben wir nur noch ein Drittel an Altpapier. Nur auf die morgendliche Zeitungslektüre wollen wir als AZ-Leser natürlich nicht verzichten. Die Fahrten zum Wertstoffhof haben sich durch diese kleine Maßnahme stark reduziert. Und die verbleibenden Altpapierbündel geben wir gerne unseren örtlichen Sportvereinen mit, die damit ihre Jugendkassen aufbessern. Auch mein Mann, der oft die Wertstofffahrten übernimmt, empfindet das Leben ohne die Massen an Werbung sehr viel angenehmer. So einen Aufkleber anzubringen geht so einfach und hat sofort eine Wirkung.

Das Augsburger Nachhaltigkeitsmagazin Lifeguide Augsburg hat nun einen Aufkleber für den Briefkasten produziert. Gefördert ist er von der Umwelt-Stadt Augsburg. Er liegt ab dem Wochenende in vielen öffentlichen Büchereien, Rathäusern, Buchläden, Tankstellen und Bioläden in der Region. Mitnehmen – draufkleben – aufatmen.

Anja Dördelmann

Dieser Artikel ist der 1. Teil der Kolumne “Einfach machen”, die einmal wöchentlich in der Augsburger Allgemeine veröffentlicht wird.

 

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