Alltagsdinge (wieder) verwenden

Nutz es noch mal?! Second Hand?! Gebraucht?! Geliehen?! Für viele ist es eine unvorstellbare Möglichkeit Dinge wie Kleider/Möbel/Essen/Deko/Werkzeuge/etc. zu verwenden, wenn sie nicht neu sind. 

Wir ekeln uns oder denken: Neu sind sie doch viel besser. Die wenigsten Dinge benötigt man allerdings ausschließlich neu, um einen “erfolgreichen Gebrauch” zu erhalten. Das beste Beispiel ist für mich immer die Bohrmaschine, die man vielleicht zwei mal im Jahr braucht. Wieso leihe ich sie mir nicht einfach beim Nachbarn aus? In Zeiten der häufig anonymen Nachbarschaft und des Onlinehandels, bestellen sie sich viele dann doch lieber fix im Internet. 

Mir persönlich ist dieses Thema bei meiner Schwangerschaft und in der Zeit des „Mama seins“ begegnet. In dieser Zeit benötigt man so unglaublich viele „neue“ Dinge für einen extrem kurzen Zeitraum. Deswegen habe ich angefangen mir Vieles zu leihen, bzw. Second Hand zu kaufen. Eine geliehene Tüte voller Umstandsmode von einer guten Freundin z.B. lässt mich nicht jeden Morgen vor dem Kleiderschrank verzweifeln, wo ich denn mit meinem dickem Bauch noch reinpasse. Ich Wiederrum, verleihe derzeit Babykleider an ein jüngeres Kind. 

Eine Tüte gefüllt mit geliehener Umstandsmode.

Wieso lassen so viele Menschen Ihr „Hab und Gut“ im Keller verstaut, wenn es Andere gibt, die genau dies gerade bräuchten? Für mich ist die „Verleih“- und „Second Hand“-Mentalität eine wunderbare Form, um meine „Schätze“ weiterzugeben, bzw. Andere zu erhalten. Der Spruch „Recycling bringt Glück wieder in Umlauf“ (Autor unbekannt) ist für mich quasi zum Mantra geworden. „Recycling“ steht dabei stellvertretend für das Verleihen, Verschenken bzw. Gebrauchtes oder Genutztes. Ich fühle mich geehrt, wenn andere z.B. meine Mode tragen und als ebenso schön empfinden wie ich. Oder wenn mein Lieblingsbuch von weiteren Lesehungrigen verschlugen wird. Mein Mann renoviert Häuser. Er empfindet es Wiederrum so, dass jedes Haus eine Geschichte zu erzählen hat und durch die Renovierung wird er Teil dieser Geschichte. Auch jeder Gebrauchsgegenstand hat eine Geschichte zu erzählen und wir sollten uns freuen, Teil seiner Geschichte zu werden.

Nun mag das alles ein wenig romantisch klingen. Doch da wir der Ressourcenknappheit unseres Planeten nicht entweichen können, sind alternative Denk- und v.a. Handlungsweisen zwingend notwendig. In vielen Lebensbereichen klappt das verrückterweise ja tatsächlich und keiner echauffiert sich mehr darüber. Beispiel carsharing oder auch das Ausleihen eines Wohnmobils in der Urlaubszeit. Keiner würde sich ein Wohnmobil kaufen, weil er nicht in ein „Gebrauchtes“ steigen will. Wieso also nicht die gleiche Idee auf alltäglichere Dinge übertragen? Dank des Internets wird uns das leicht gemacht. Ebay bietet eine (Ver-)Kaufsplattform, Pumpipumpe ein Bekenntnis zum (Aus-) Leihen, und lokale Verteilstellen (Fair-Teiler) ermöglichen das Weiterreichen von noch guten Lebensmitteln um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Entwicklung finde ich schön und begrüßenswert. Um diesen Trend abzurunden, könnte unsere Regierung nachziehen und den Wegwurf von noch guten Dingen unter Strafe stellen, wie Amazon oder viele Lebensmittelhersteller das tun.

Ich hoffe, wir schaffen es gemeinsam, den Hype um „Single-Use“ zu beenden und mehr kreative Ideen für die Wiederverwendung in unserem Alltag umzusetzten.

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