10 Tipps für den Kleidungskauf

Kleidung ist zum Wegwerfartikel verkommen. Die ‚Fast Fashion‘ produziert jede Woche eine neue Modekollektion, Klamotten werden zu Dumpingpreisen verkauft. So schön ein voller Kleiderschrank auch sein mag, für die Umwelt ist dieser Trend eine wahre Katastrophe!

Die heutige Modeindustrie ist nicht nur ein menschenverachtendes Wertschöpfungsmodell, auch die Umwelt leidet massiv unter Produktionsstandards und der schieren Menge an hergestellten Textilien. Bei der Fertigung von Textilien kommen oft giftige Chemikalien zum Einsatz, die ungeklärt in die Flüsse geleitet werden und somit Wasser und Böden vergiften. Beim Verkauf entstehen Unmengen von Verpackungsmüll, meistens Plastik. Und da Textilien kaum mehr aufgetragen werden, fallen jedes Jahr Berge aussortierter Klamotten an. Ein kleiner Teil davon landet im deutschen Second-Hand-Laden, der Rest wird ins Ausland verkauft, wo er oftmals die spärliche Textilindustrie vor Ort zerstört. Und was nicht mehr getragen werden kann wird zu Putzlumpen oder Dämm-Material verarbeitet.

Mikroplastik aus Kleidung gelangt in unsere Nahrungskette

Doch der gefährlichste Müll ist unsichtbar. Die Rede ist von Mikroplastik. Besonders Fleece-Stoffe aber auch andere Funktionsgewebe sondern beim Waschen mikroskopisch kleine Fasern ab. Sie können von Waschmaschinen und Kläranlagen nicht herausgefiltert können. Dadurch gelangen sie in die Gewässer, wo die mikroskopisch kleinen Teilen über Kurz oder Lang auch in unsere Nahrungskette.

Wir wären nicht das Forum Plastikfreies Augsburg, wenn wir für dieses Problem keine Lösung hätten

Da Kunststoffe nicht biologisch abbaubar sind, sondern nur in immer kleinere Teilchen zerfallen, sammelt sich in der Umwelt immer mehr Mikroplastik an. Was das auf lange Sicht heißt, weiß niemand. Fest steht jedoch: nichts Gutes! Aber wir wären nicht das Forum Plastikfreies Augsburg, wenn wir für dieses Problem keine Lösung hätten! Mit den folgenden 10 Tipps kannst Du ab sofort Plastik und Müll rund um den Kleiderkauf ganz einfach vermeiden.

#1
Beim Einkaufen einen Stoffbeutel mitbringen, statt im Laden eine Plastiktüte zu kaufen.

#2
Kleidung ohne Plastikverpackung kaufen:

Vor allem beim Online-Shopping sind meist alle Kleidungsstücke einzeln in Plastik eingeschweißt. Das soll den Ablauf beim Verpacken vereinfachen und Hygiene garantieren, produziert aber sehr viel Müll. Auch einige Läden verpacken jedes Kleidungsstück einzeln. Besser: Kleidung dort kaufen, wo keine Verpackung anfällt.

#3
Bei Funktionskleidung Naturfaser statt Kunststoff kaufen:

Funktionskleidung besteht meist aus Kunstfasern, die wiederum auf Plastik und damit auf Erdöl basieren. Das ermöglicht zwar wasserdichte, atmungsaktive Textilien mit hohem Tragekomfort. Die Materialien lassen sich aber oft nur schwer reparieren, sind kaum recyclebar und sondern beim Waschen häufig Mikroplastik in Form von feinen Textilfasern ab, die über das Abwasser in die Flüsse gelangen und so irgendwann in unserer Nahrungskette landen. Einer Studie zufolge können bei einer durchschnittlichen Wäsche aus Acryl-Gewebe bis zu 730.000 Fasern herausgelöst werden. Da diese nur 0,012 bis 0,018 Millimeter lang sind, kann die Waschmaschine sie nicht filtern. Kunstfaser-Kleidung ist deshalb eine der häufigsten Quellen von Mikroplastik in den Gewässern.

Alternativen: Naturfasern wie Baumwolle, Leinen, Hanf, Merinowolle, Lyocell, Modal oder Seide sind genauso gut für sportliche Aktivitäten geeignet wie Kunstfasern. Wachsjacken aus Baumwolle sind außerdem absolut wasserdicht. Wichtig: beim Kauf auf Herkunft, Einsatz von Chemikalien und Tierschutz achten. Wenn es Synthetik-Kleidung sein soll dann bei Textilherstellern kaufen, die einen Reparaturservice bieten, der bei Bedarf die Lebensdauer der Kleidung um ein Vielfaches erhöht.

 

#4
Reparieren statt wegwerfen:

Ein Knopf ist ab, eine Naht hat sich geöffnet, die Hose ist zu klein oder das Kleid zu groß geworden. Deshalb gleich wegwerfen? Nicht im Ernst!? Was für uns nach einem irreparablen Schaden aussieht ist für eine professionelle Näherin meist ein Klacks. In Augsburg (und bestimmt auch in anderen Städten) gibt es viele Änderungsschneidereien, die zu einem oft erstaunlich geringen Preis wahre Wunder vollbringen, wenn Textilien geändert oder repariert werden müssen. Deshalb: nicht wegwarfen, sondern richten lassen!

#5
Upcycling:

Wenn die Lieblingsjeans oder der Pulli nicht mehr zu retten ist, vielleicht lässt sich der Stoff mittels Upcycling noch zu anderen tollen Dingen verarbeiten? Man kann z. B. aus einer Jeans süße kleine Lunchbags nähen, aus langen Hosen einfach kurze machen, alte Pullover zu Kissenbezügen umfunktionieren oder kleinere Geschenke in Stoffreste statt in Geschenkpapier verpacken. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt! So verhilfst Du nicht nur Deinen alten Klamotten zu einem neuen Leben, sondern sparst Dir gleichzeitig den Kauf von neuen Sachen.

#6
Selber machen (lassen):

Statt im Laden zu kaufen, wie wäre es denn mal mit selber machen oder zumindest machen lassen? Wer Lust auf ein neues Hobby hat, kann z. B. einen Nähkurs besuchen und sich seine Mode in Zukunft selbst machen. Es gibt viele einfache Schnittmuster, aus denen jeder mit ein wenig Übung tolle Kleidung machen kann. Vielleicht habt Ihr aber auch eine gute Freundin, die das Nähen schon beherrscht und sich austoben möchte? Alternativ gibt es auch kleine Nähereien, die Kleidung von Hand und nach Maß herstellen. Das kostet zwar etwas mehr als so manches Kleid aus dem Laden, dafür habt Ihr ein Unikat und außerdem einen Arbeitsplatz in Eurer Nähe unterstützt, statt Euer Geld einer großen Modekette in den Hals geworfen. Klingt doch gut, oder?

#7
Second Hand kaufen:

Wer kennt es nicht: viele Klamotten hängen im Schrank ohne je das Tageslicht zu erblicken. Was man selbst nicht mehr haben möchte gefällt aber bestimmt jemand anderem.
Klassische Second-Hand-Läden, Kleidertauschpartys, Flohmärkte, Sozialkaufhäuser, Ebay und Second-Hand Online-Shops, sie alle ermöglichen ausrangierter Kleidung ein neues Leben. Die meisten Klamotten sind so gut wie neu oder es handelt sich um echte Vintage-Stücke, die man im Laden gar nicht mehr bekommt. Second Hand ist deshalb eine tolle Möglichkeit, neue Luft in den eigenen Kleiderschrank zu bringen ohne dabei die Umwelt zu belasten.

#8
Fair produzierte Kleidung kaufen:

Wer gerne neu und im Laden kaufen möchte sollte darauf achten, dass die Kleidung fair und umweltfreundlich hergestellt wurde. In Augsburg gibt es mittlerweile viele tolle Läden, die genau solche Ware anbieten. Vielleicht kostet die Jeans dort etwas mehr als im Billigladen, aber dafür mussten weder Menschen noch die Umwelt unter ihrer Herstellung leiden.

#9:
Richtig waschen:

Nicht nur das eigentliche Tragen der Kleidung, auch die regelmäßige Reinigung in der Waschmaschine setzt den Textilien auf Dauer zu. Deshalb:

Für jede Wäsche das richtige Waschmittel benutzen: Vollwaschmittel beinhalten meist Bleiche, die zwar weiße Wäsche vor dem Ausgrauen schützt, farbigen Textilien aber zusetzt. Colorwaschmittel hingegen enthalten diese Bleiche nicht und verhindern, dass die Farben mit der Zeit verwaschen. Feinwaschmittel wiederum sind vor allem für Wolle und Seide geeignet.

Wichtig: Waschmittel sollten biologisch abbaubar, frei von Duftstoffen und frei von Palmöl sein um die Umwelt nicht unnötig zu belasten. Am besten kaufst Du Öko-Waschmittel. Das ist zwar unter Umstände ein bisschen teurer, dafür aber eben gut für die Umwelt und für Deine Kleidung. Eine hervorragende Alternative ist außerdem selbst hergestelltes Waschmittel. Einfache Rezepte findest Du auf www.plastikfreies-augsburg.de. Und auch für Weichspüler gibt es umweltfreundlichen Ersatz wie z. B. Essig, Essigessenz, Natron oder Wasch-Soda.

Kleidung nicht unnötig waschen: riecht ein Pulli etwas müffelig kann man ihn einfach mit einem Bügel auf den Balkon hängen. Das hilft oft genauso gut wie die Waschmaschine.

#10:
Weniger ist mehr:

Wer sagt eigentlich, dass ein Kleiderschrank aus allen Nähten platzen muss? Von 15 Hosen, die im Schrank hängen tragen wir meist nur drei oder vier regelmäßig. Deshalb: beim Kauf überlegen, ob das Kleidungsstück auch wirklich bequem passt und gefällt. Und: je besser sich Kleidung kombinieren lässt bzw. je vielseitiger das Kleidungsstück ist, desto weniger Kleidung brauchen wir. Es muss auch nicht für jede Sportart ein spezielles T-Shirt oder eine extra Hose sein. Lockere Baumwolle ist ideal und universell. Wer weniger kauft, kann für das einzelne Kleidungsstück dann auch etwas mehr Geld ausgeben. Unterm Strich spart man dabei sogar immer noch.

Beim Kleidungskauf achtsam zu sein lohnt sich für alle: für Dich, für Deine Mitmenschen und für Deine Umwelt!

Fotos: Sarah Schützenberger

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